Übersetzungsentscheidungen

Übersetzungsentscheidungen

Die Sinn erhaltende Übersetzung aus dem Englischen des 17. Jahrhunderts ins heutige Deutsch ist eine herausfordernde Aufgabe. Viele Begriffe hatten zur Zeit der Erstellung der King James Bible eine andere Bedeutung, als im heutigen Englisch. Zugleich war das damalige Englisch und insbesondere das Englisch der King James Bible der deutschen Sprache viel näher, als das moderne Englisch.

Diese Nähe macht es heutigen Lesern, die Englisch als zweite Sprache erlernt haben, allerdings nicht leichter, sondern eher schwerer, den originalen Text der King James Bible zu verstehen. Manche Redewendungen würde man heute anders übersetzen, aber sie waren erst im Prozess zu Redewendungen zu werden. Manche hat die King James Bible erst selbst geprägt.

Manche Begriffe sind selbst in Vokabellisten aus der Zeit nicht zu finden und lassen sich nur aus Sekundärliteratur oder dem schlichten Kontext ableiten.

Wichtigste Quelle für die Ergründung der richtigen Übersetzung ist aber an erster Stelle immer das Originalwerk selbst. Die King James Bible erklärt sich nicht nur theologisch selbst, sondern sie ist zugleich ihr eigenes Wörterbuch. Sie ist so konsequent durchgängig in ihren Begrifflichkeiten, dass sie selbst die Erklärungen für die verwendeten Begriffe liefert. Das hat uns bei der Übersetzung ins Deutsche sehr geholfen.

Die Konsequenzen all dessen liegen nicht immer auf der Hand. Die Übersetzer der King James Bible haben grundlegende Arbeit geleistet und keine übereilten Entscheidungen getroffen. Dementsprechend haben wir in unserer Arbeit immer das Original zum Maßstab unserer Übersetzungsentscheidungen genommen. In diesem Abschnitt werden all jene dieser Entscheidungen erläutert, die sprachlich, theologisch oder in der Tradition der deutschen Bibeln wichtig sind.

Diese Auflistung ist nicht abschließend und beansprucht keineswegs Unfehlbarkeit. Manche der Entscheidungen reifen schon seit Beginn der Übersetzungsarbeit und haben allenfalls einen aktuellen Stand, sind aber nicht unbedingt bereits zum Abschluss gekommen. Sie sind also offen für Kritik und auch angreifbar und das ist auch gut so. Es geht zum Teil um derart grundlegende Konzepte und Überzeugungen, dass wir nur einen ersten, guten Ansatz liefern können. Wir wollen die Diskussion darüber mit unseren Vorschlägen beginnen und zum Nachdenken anregen. Die 47 Übersetzer der King James Bible haben uns ein überragendes Werk hinterlassen, das Respekt im Umgang damit verdient hat.

“Grace” und “Mercy” - Güte und Erbarmen

חֵן - ḥēn - grace - χάρις - charis (Substantiv)

חֶסֶד - ḥeseḏ - mercy - ἐλεέω - eleeō (Verb) - ἔλεος - eleos (Substantiv)

Im Englischen sind die Begriffe “grace” und “mercy” klar abzugrenzen:
”Grace” ist, jemandem etwas angenehmes oder vorteilhaftes zukommen zu lassen, obwohl er es nicht verdient hat. “Mercy” ist, jemandem etwas unangenehmes nicht zukommen zu lassen, obwohl er es eigentlich verdient hätte.

Die Tradition der deutschen Bibelübersetzungen hat es schwer gemacht, bei der Übersetzung von “Grace” von etwas anderem als “Gnade” zu sprechen. Aber in der Herkunft der hebräischen und griechischen Handschriften ist “Gnade” im Deutschen sehr viel weniger passend, als das englische ”Grace”, denn die Mehrdeutigkeit von “Gnade”, die zugleich wohlmeinend, als auch herablassend verwendet wird und dann vor allem einen juristischen Hintergrund in unserer Alltagssprache hat, dreht den Ton der Bibel, der gerade bei “Grace” doch von der “loving-kindness” (also der liebevollen Güte) von Gott sprechen soll, in eine viel zu kühle und distanzierte Richtung. So kühl wollten es die Übersetzer der King James Bible sicher nicht verstanden wissen, denn sonst hätten sie nicht “grace” gewählt. Im englische Sprachgebrauch ist “grace” viel positiver belegt, als die deutsche “Gnade”. Um dem Rechnung zu tragen und weil es ein wichtiger Beitrag dazu ist, die englische King James Bible im selben Ton im Deutschen lesen zu können, wie es die englischsprachigen Leser beim Original gewohnt sind, haben wir uns für "Güte" als Übersetzung des englischen "grace" entschieden.

Wohingegen “mercy” die Gnade ist, die man jemandem erweisen kann. Das kann nur jemand tun, der zur Verurteilung und Bestrafung berechtigt wäre (z.B. Gott) davon aber keinen Gebrauch macht. Er “begnadigt” uns, selbst im Angesicht unserer Schuld. Aber die englische Übersetzung von “Gnade” ist oft zuerst mit “grace” belegt. Einen Ausweg bietet “Erbarmen”, was es ebenso gut trifft, wie “Barmherzigkeit”, aber in der Kürze im Lesen näher an “mercy” liegt.

Gott ist beides, gütig und barmherzig. Unsere Übersetzung trägt der wichtigen Unterscheidung der Begriffe aus dem Original Rechnung.

“Righteousness” - Rechtschaffenheit

Eine der längsten und intensivsten Diskussionen in unserem Projekt betraf die Entscheidung über die richtige Übersetzung des Wortes “righteousness” (wie auch “righteous”). Das liegt vor allem daran, dass in den deutschen Bibeln überall dort, wo die King James Bible “righteousness” oder “righteous” schreibt, “Gerechtigkeit “ und “gerecht” zu lesen ist.

Und tatsächlich ist “gerecht” eine der möglichen Übersetzungen für “righteous”. Aber ebenso ist das englische “justice” mit “Gerechtigkeit” korrekt zu übersetzen. Wenn wir aber beide Begriffe mit denselben deutschen Begriffen übersetzen, verdecken wir den Unterschied, den die King James Bible dokumentiert und der eine andere Lösung erfordert.

In Genesis 15:6 heißt es in der King James Bible:

6 6 And he *beleeued in the LORD; and hee counted it to him for righteousnesse.

Im Hebräischen steht dort “צְדָקָה“ (ṣᵊḏāqâ). Im Strong’s H6666 dieses Wortes heißt es:

צְדָקָה tsᵉdâqâh, tsed-aw-kaw'; from H6663; rightness (abstractly), subjectively (rectitude), objectively (justice), morally (virtue) or figuratively (prosperity):—justice, moderately, right(-eous) (act, -ly, -ness).

Wenn sich das Wort also auf eine Person bezieht (subjectively), ist seine Bedeutung im Englischen “rectitude”, was ins Deutsche mit “Rechtschaffenheit” übersetzt wird.

Eine Unterscheidung in der Übersetzung wird besonders dort wichtig, wo im englischen Original beide Begriffe im gleichen Vers vorkommen:

Nun haben die Übersetzer der King James Bible aus dem Hebräischen und auch aus dem Griechischen nicht immer mit denselben Wörtern übersetzt, denn sie haben den Kontext mit in ihre Entscheidungen mit einbezogen. Aber genau deshalb müssen wir aus dem Englischen immer gleich übersetzen, damit wir die Entscheidungen der Übersetzer der King James Bible nicht verdecken.

Es mag also theologisch manchmal anders zu entscheiden sein, ob an einer Stelle nun “rechtschaffen” oder “gerecht” stehen sollte, aber hier bildet es genau ab, was uns die Übersetzer von damals überliefert haben. Wir wollen da keine Korrekturen oder Verbesserungen am Original vornehmen.

“To repent” - Buße tun, umkehren, bereuen

Wenn uns im Englischen jemand ein “repent” entgegenschleudert, ist das als direkte und unmittelbare Aufforderung gemeint, von unserem bisherigen Tun abzulassen und sofort umzukehren.

In der King James Bibel gibt es einen, der daran interessiert ist, dass ein Mensch vom falschen Weg abkehrt und seine Richtung hin zum rechten Weg ändert: Gott höchstselbst.

Aber Gott ist nicht so sehr an unseren Taten interessiert, sondern was sich in unseren Herzen, unserer Seele abspielt. Eine Umkehr, allein der Umkehr wegen, ist für ihn bedeutungslos. Er will sehen, dass wir es aus tiefstem Herzen tun, also ehrlich. Und dazu gehört neben der Abkehr vom sündigen Tun auch die ehrlich empfundene Reue.

Das altertümliche “Buße tun”, dass ursprünglich dasselbe meinte, wurde über die Jahrhunderte von den Kirchen so missbraucht, dass heute kaum noch jemanden die Bedeutung der Umkehr im Wort Buße geläufig ist. Ganz schlimm ist die weit verbreitete Ansicht, Sünder müssten gegenüber anderen Personen oder Kirchenfunktionären “Buße tun” oder gar “büßen”. Das Büßen hat aber nur sehr entfernt mit der biblischen Buße zu tun. Es nützt auch nichts, einem Priester oder Pastor seine Sünden einzugestehen. Nur Gott und die Jünger von Jesus Christus können Sünden vergeben (siehe Johannes 20:23 und Matthäus 18:18).

Und eine schlichtes “Umkehren” wäre auch nicht angemessen. Zur Reue gehört schon mehr, insbesondere vor Gott, der in unsere Herzen sehen kann, also weiß, ob wir ehrlich bereuen.

Und so ist die aktuelle Entscheidung für die deutsche Übersetzung der King James Bibel auf “bereuen” für “to repent” gefallen.

“Iniquity” - Unrecht oder Sünde?

In der King James ist vom Alten bis zum Neuen Testament von “iniquity” oder ”iniquities” die Rede. In deutschen Bibeln liest man an den entsprechenden Stellen oft “Sünde” bzw. “Sünden”. Aber das greift eventuell zu kurz.

Judas hat nicht nur einfach gesündigt (Akte der Apostel, Kapitel 1 Vers 18), also gegen ein Gebot verstoßen, sonder er hat mit seinem Verrat Unrecht begangen. Am deutlichsten wird der Unterschied zwischen Unrecht und Sünde im Buch Daniel, Kapitel 9, Vers 5, wo beides im selben Vers zu lesen ist:

King James Bible: “We haue sinned, and haue committed iniquitie, and haue done wickedly, and haue rebelled, euen by departing from thy precepts, and from thy iudgements.“

“Wir haben gesündigt und haben Unrecht begangen….”. Hier kann man iniquity unmöglich mit “Sünde” übersetzen. Aber das Wort kann hier im Kontext nicht plötzlich etwas anderes bedeuten, als im restlichen Alten und Neuen Testament. Und tatsächlich passt “Unrecht” für den Singular und “Ungerechtigkeiten” für den Plural in allen Verwendungen von “inquity” und “iniquities”.

“To offend” - verleiten oder verärgern?

Das griechische Verb σκανδαλίζω (skandalizō), wird in den Strong’s Definitions G4624 so beschrieben:

σκανδαλίζω skandalízō, skan-dal-id'-zo; from G4625; to entrap, i.e. trip up (figuratively), stumble (transitively) or entice to sin, apostasy or displeasure):—(make to) offend.

Es beschreibt also den Vorgang, wenn jemand zur Sünde (sin), Glaubensabfall (apostasy) oder Verdruss (displeasure) verführt (to entrap) oder verleitet (to entice) wird.

Für die Übersetzung haben wir uns für “verleiten” entschieden, damit keine Verwechslung mit “verführen” entstehen kann, dass dem Kontext der Verwendung von “offend” in der King James Bible nicht gerecht werden würde. Die King James Bible übersetzt ausschließlich mit “offend”.

Das würde zwar heutzutage vorrangig mit “beleidigen”, verletzen” und “verärgern” übersetzt werden, trifft damit aber nicht die Intention der damaligen Übersetzer. Im Kontext der King James Bible ist die Verleitung zu Sünde, Glaubensabfall oder Verdruss immer dort zutreffend, wo “offend” oder auch das zugehörige Hauptwort “offence” (Verleitung) zum Einsatz kommt. Wir konnten keinen Widerspruch zu dieser Annahme in der King James Bible finden und haben uns deshalb für “verleiten” und “Verleitung” als passende Übersetzung entschieden.

“To know” - wissen oder erkennen?

Auch die Übersetzer der King James Bible hatten manchmal das Problem, dass es für zwei griechische Worte am Ende nur das gleiche Wort im Englischen gibt. Für englische Muttersprachler ist das bei “to know” kein Problem, denn sie lesen es automatisch im Kontext “richtig”. In der deutschen Übersetzung aus dem Englischen ist das aber ein Problem, denn “erkennen” und “wissen” liegen in ihrer Bedeutung deutlich entfernt voneinander. Schon das Verb “erkennen” allein hat im biblischen Kontext unterschiedliche Bedeutungen: man kann jemanden “erkennen” im Sinne von Geschlechtsverkehr oder man “erkennt” jemanden im Sinne von sich gewahr über jemanden werden.

Für die Bedeutung der Unterscheidung in der Übersetzungsarbeit ist auch hier wieder ein Vers interessant, in dem zwei Bedeutungen von “to know” zugleich vorkommen:

1. Johannes 5, Vers 20

King James Bible von 1611: “And we know that the Sonne of God is come, and hath giuen vs an vnderstanding that wee may know him that is true: and wee are in him that is true, euen in his Sonne Iesus Christ. This is the true God, and eternall life.“

Übersetzung: “Und wir wissen, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns ein Verständnis gegeben hat, damit wir ihn erkennen, der wahr ist: Und wir sind in ihm, der wahr ist, nämlich in seinem Sohn Jesus Christus. Dies ist der wahre Gott und das ewige Leben.“

Hier kann “to know” selbstverständlich nicht an beiden Stellen gleich übersetzt werden. Der Blick in den Textus Receptus zeigt, dass in diesem Vers zwei verschiedene griechische Worte zu “know” übersetzt wurden:

οἴδαμεν (von εἴδω, Strong’s G1942): wissen (im Sinne von “wir wissen, im Gegensatz zu jenen, die noch nicht an Jesus Christus glauben)

γινώσκωμεν (von γινώσκω, Strong’s G1097): erkennen, verstehen (im Sinne von Erkenntnis erlangen)

“To judge” und “to condemn” - “the judgement of God”

In Römer 2 spricht Paul darüber, wir sollten nicht (ver-)urteilen oder richten, da wir selbst dessen schuldig sind, was wir in anderen als zu verurteilen ansehen:

Römer 2, Vers 1

King James Bible: “Therefore, thou art inexcusable, O man, whosoeuer thou art that iudgest: for wherein thou iudgest another, thou condemnest thy selfe, for thou that iudgest doest the same things.“

Übersetzung: “Deshalb bist du unentschuldbar, oh Mensch, wer auch immer du bist, der verurteilt: Denn worin du einen anderen verurteilst, verdammst du dich selbst, denn du, der verurteilst, tust dieselben Dinge.“

Aber was ist die richtige und passende Übersetzung von “to judge”, “judgement” und “to condemn” aus dem Englischen?

To judge - verurteilen oder richten?

Luther hatte mit “richten” übersetzt, was für “to judge” eine mögliche Übersetzung ist. Die Neue Genfer Übersetzung hat “to judge” mit “verurteilen” übersetzt. Beides ist aus dem Englischen “to judge” möglich. Aber “richten” und “verurteilen” sind zwei verschiedene Dinge.

“Richten” ist eine Aktion gegen jemanden, dessen Schuld zuvor festgestellt wurde, der also verurteilt wurde und dem jetzt das passende Strafmaß zuzuordnen ist. Um jemanden richten zu können, muss man sich in der Position eines Richters mit der Befugnis der Ausführung oder Anordnung der Bestrafung befinden.

Jemanden zu verurteilen, kann hingegen jeder. Zurecht, zu Unrecht, vorschnell oder wohl überlegt und Menschen, nicht nur Richter, tun das jeden Tag. In der Übersetzung wäre auch “beurteilen” möglich, ist aber zu schwach für das, was Paulus den Mitgliedern der römischen Gemeinde mitteilen möchte.

Wir haben uns daher für “verurteilen” als passendere Übersetzung für “to judge” entschieden.

To condemn - verurteilen oder verdammen?

Luther übersetzt mit “verdammen”, Schlachter mit “verurteilen” und die Neue Genfer Übersetzung “Urteil sprechen”. Eine Übersetzung mit “verurteilen” geriete natürlich in direkten Konflikt mit der Entscheidung “to judge” ebenso mit “verurteilen zu übersetzen. Außerdem ist in Römer 2:1 das griechische “κατακρίνω” mit “to condemn” übersetzt, wohingegen “to judge” aus dem griechischen “κρίνω” übersetzt wurde. Die deutsche Übersetzung sollte den Unterschied reflektieren und “verdammen” passt da eigentlich ganz gut. Denn man “verurteilt” sich ja nicht wirklich selbst (höchstens vielleicht ungewollt), aber man läuft Gefahr sich aufgrund des falschen oder ungerechten Urteils über jemand anderen zu verdammen.

Hier schließen wir uns also der Auffassung von Luther an.

The judgement of God

Es wird zwar oft mit dem “Gericht Gottes” übersetzt, aber das hier zugrunde liegende griechische “κρίμα” hat als Wurzel “κρίνω” (to judge; verurteilen) und muss, der Systematik der KJV Übersetzer folgend, mit “Urteil” übersetzt werden. Und auch hier kam Luther zum gleichen Ergebnis.

“Falsche Christusse”?

Matthäus 24:24

King James Bible: “For there shall arise false Christs, and false prophets, and shal shew great signes and wonders: insomuch that (if it were possible,) they shall deceiue the very elect.“

Übersetzung: “Denn es werden falsche Christusse aufkommen und falsche Propheten und werden große Zeichen und Wunder zeigen: Dermaßen, dass (wenn es möglich wäre) sie sogar die Auserwählten täuschen würden.“

Im griechischen Textus Receptus des Neuen Testaments heißt es ψευδόχριστοι (pseudochristi). Der Signular davon wäre “pseudochristós”, womit wir bei “Christós” wären.

“Christós” ist die griechische Übersetzung des hebräischen משיח, was “Messias” bedeutet und das bedeutet im Deutschen “der Gesalbte”.

Christus ist die ans Lateinische angelehnte Form von Christ bzw. Christos. Das liegt daran, dass die römische Kirche sehr früh ihren Einfluss geltend gemacht hat. Dort wurde das griechische Christos phonetisch in das ans Lateinische angelehnte Wort Christus übertragen. Und im Lateinischen würde man den Plural von Christus als Christi schreiben. Aber das bringe ich nicht übers Herz (die Übersetzer der Schlachter Bibeln auch nicht).

Wenn man jetzt aber in Matthäus 24:24 einfach von “Gesalbten” schrieben würde, würden Viele den eigentlichen Sinn nicht direkt erfassen können, denn wer weiß schon, dass Christus kein Eigenname ist (nur “Jesus” ist ein Eigenname)?

“Christusse” lässt uns stutzen und nachdenken, wieso man überhaupt einen Plural von Christus bilden kann oder sollte. Und wenn man in dieser Richtung darüber nachdenkt, ist “Christusse” eine sehr gute Lösung.

Es wäre sogar “Pseudochristusse” statt “falsche Christusse” noch passender, würde sich dann aber von der King James entfernen (false Christs). Und da gewinnt in der Entschiedung natürlich die King James Bible.

“Worship” - anbeten oder huldigen?

Im Englischen lesen wir durch die ganze Bibel hindurch “worship”. Aber nicht nur im Zusammenhang mit Jesus oder Gott, sondern auch gegenüber Engeln, Götzen und auch anderen Menschen.

Die gängigen Bibeln übersetzen im Deutschen konsequent mit “anbeten”, aber ist das tatsächlich richtig?

Im Hebräischen heißt es שָׁחָה (šāḥâ), was eher mit “verbeugen” oder “niederbeugen” (im Englischen “bow down”) zu übersetzen ist. Also eine Verneigung vor etwas oder jemandem. Wohingegen “anbeten” darüber hinaus gehen dürfte.

Das griechische προσκυνέω (proskyneō) ist in der King James durchgängig mit “worship” übersetzt und wird aus dem Griechischen ins deutsche Verb “huldigen” übersetzt.

Auch wenn es alle anderen Übersetzungen es anders handhaben, so ist die von den Übersetzern der King James gewählte Übersetzung mit “huldigen” und Huldigung” erheblich besser getroffen, als mit “anbeten” und “Anbetung”.

Anbetung ist Verehrung und zweifelsohne ist Gott jeder Anbetung würdig. Wir sind nur nicht mehr an das Wort huldigen gewohnt. Die breitere Bedeutung im Gegensatz zu “anbeten” macht es ebenfalls zur besseren Wahl.

Es ist zugegebenermaßen eine Entscheidung, die man auch anders treffen könnte. Vielleicht überzeugt uns eines Tages ein stichhaltiges Argument, sie zu überdenken?

Servant - Knecht, Sklave oder Diener?

Im heutigen Sprachgebrauch ist der Knecht nur noch in Andeutungen zu finden (Schuhknecht, Knechtschaft), weil es diese soziale Beziehung zum Arbeitgeber in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr geben darf.

Der Knecht im 16. und 17. Jahrhundert war der angestellte Hilfsarbeiter auf dem Bauernhof, der dem Herrn die Arbeitsleistung schuldete und im Gegenzug Unterkunft und Verpflegung bekam; nur selten Lohn darüber hinaus.

Trotzdem war der Knecht in der Regel höchstens durch einen Vertrag und für eine begrenzte Zeit an den Hof gebunden, auf dem er arbeitete. Oft aber war das Verhältnis zum Bauern lebenslang auf beidseitiger, freiwilliger Basis. Im Johannes-Evangelium beschreibt Jesus selbst es eindeutig: “Und der Diener (servant) bleibt nicht für immer im Haus: Aber der Sohn bleibt immer.“ (Johannes 8:35)

Diese eigentlich positive und fortschrittliche Arbeitsbeziehung hat durch gesellschaftlichen Wandel einen leicht negativen Klang bekommen. Unter Knechtschaft wird das Gegenteil von Freiheit verstanden und ganz sicher keine freiwillig eingegangene Beziehung zu einem Arbeitgeber. Dieser Teil der deutschen Landwirtschaftskultur ist inzwischen unwiederbringlich verloren gegangen und damit auch die Aussicht auf Lebensunterhalt dieser Art für viele Menschen, denen Unterkunft und Verpflegung als Lohn genügen würden.

Aber in einer am wirtschaftlichen Erfolg orientierten Gesellschaft hat ein solches Modell keinen Platz und wird deshalb mit negativen Emotionen belegt.

Im Bibeltext geht es letztendlich um die Unterscheidung zwischen freien Menschen, die ihren Lebensunterhalt aus ihrem eigenen oder dem zugewiesenen Besitz bestreiten und “abhängig Beschäftigten”, die in einem Arbeitsverhältnis zu jemandem stehen und daraus ihren Lebensunterhalt bestreiten. Letztendlich ist “Diener” ein passender Begriff und eine gute Möglichkeit, den belasteten Begriff des Knechts zu vermeiden. Ganz falsch ist sicherlich “Sklave” als Übersetzung für “servant”. Wenn es um echte Sklaven geht, nutzt die King James Bible eindeutig das Wort “slave”, nicht “servant”.

Der an die Übersetzung von Luther gewöhnte, deutsche Bibelleser mag den Knecht vermissen, aber “Diener” trifft es gut, denn derjenige steht in den Diensten eines Arbeitgebers und ist eben nicht “frei”, sofern es um den Broterwerb geht. Aber er kann den Arbeitgeber wechseln und auch in die Selbständigkeit gehen (siehe 1. Korinther 7:21).

Multitudes - Scharen; People - Leute; Nations - Nationen

In der King James Bible ist oft von “nations”, “people”, “multitude” und “multitudes” die Rede, wenn Menschenansammlungen beschrieben werden.

Dabei gilt die Rangfolge (von groß zu klein)

nations - Hiermit sind die Bewohner von Gegenden gemeint, die von einer eigenständigen Regierung beherrscht werden und dadurch nach außen ein eigenständiges Bild einer Nation vermitteln. “nations” bezeichnet also die Bewohner einer nicht näher bestimmten Anzahl von Ländern; mithin eine sehr große Anzahl

people - Hier ist wieder eine unbestimmte Anzahl, meist anonymer Menschen gemeint, aber eine überschaubare. Die Menschenmenge, die auf einem Platz versammelt ist, aber keine eigenständige Gruppe darstellt, wird als “people” bezeichnet, was am treffendsten mit “Leute” zu übersetzen ist. Das stattdessen oft zu findende “Volk” trifft es einfach nicht genau. Bei größeren Ansammlung ist selten “das Volk” versammelt. Einfach nur “Volk” klingt auch schnell abwertend. Oft sind es eben einfach nur “Leute”.

multitudes - Hier sind es nicht mehr nur anonyme Leute, sondern mehrere Gruppen von Menschen. Sie teilen jeweils Merkmale oder Interessen. Wenn Menschen “in Scharen” kommen, sind das meistens mehrere Gruppen von Menschen, die dann schon eine größere Anzahl Menschen darstellen können, aber sie eint eine Absicht, ein Ziel, ein Zweck oder ein Interesse. Ein gutes Beispiel für viele Scharen ist Matthäus 4:25 (great great multitudes).

multitude - Die “Schar” ist eine klar abgegrenzte Menschengruppe. In Matthäus 15:10 sind es diejenigen, die Jesus rief. Diese “Schar” hat zum Beispiel gemein, dass sie in Rufweite zu Jesus waren.

See Genezareth - das Galiläische Meer

In Matthäus 7 überquert Jesus mit seinen Jüngern den See Genezareth (Sea of Galilee). Die Übersetzung aus dem Englischen kann auch “Galiläisches Meer” bedeuten, was auch ein korrekter Name des Sees im Deutschen wäre.

Wenn in der King James von “the Sea” die Rede ist, bezeichnet das eindeutig ein Meer, wenn es auch “nur” ein See ist, der als “Meer” bezeichnet wird.

“The Sea” wird daher sinngerecht als “die See” übersetzt und nicht zu “der See” umgedeutet.

Römer 13 - Gottes Wille über alles

Römer 13:1-4
Übersetzung: “Lasst jede Seele den höheren Mächten unterstellt sein: Denn da ist keine Macht, außer von Gott. Die bestehenden Mächte sind von Gott ||bestimmt. [||oder: angeordnet]
Wer deshalb der Macht widerstrebt, der widerstrebt der Verfügung Gottes: Und diejenigen, die widerstreben, werden selbst Verdammnis empfangen.
Denn Herrscher sind kein Schrecken für gute Werke, sondern für die bösen. Willst du dann nicht vor der Macht fürchten? Tue das, was gut ist und du wirst Lob von derselben haben.
Denn er ist dir der Gesandte Gottes zum Guten: Aber wenn du das tust, was böse ist, fürchte dich: Denn er trägt das Schwert nicht vergeblich: Denn er ist der Gesandte Gottes, ein Rächer, den Zorn über den auszuführen, der Böses tut.”

Paulus beschreibt hier ganz grundsätzlich, wie sich insbesondere die Gemeinde in Rom, aber letztendlich alle Mitglieder der Kirche von Christus gegenüber der Hierarchie der Macht verhalten sollen. Im Kern haben wir die Strukturen der Macht, wie wir sie vorfinden, als von Gott so angeordnet zu akzeptieren und folgerichtig ist erheblicher Ärger (Verdammnis) zu erwarten, wenn wir das nicht akzeptieren. Diese sehr strenge Vorgabe ist für die meisten Leser der Bibel die wohl am schwersten zu verdauende, denn sie wirft einen ganzen Schwarm von Fragen auf.

Müssen Christen also Machthaber als von Gott bestimmt ansehen, unabhängig von ihrem Verhalten oder gar Verbrechen? Die unbequeme Antwort auf diese Frage ist “Ja, müssen sie”. Und diese Antwort ist so wichtig, dass Gott sie uns in der Bibel überliefern ließ. Und alle Übersetzungen sind sich da bis in die Details hinein einig.

Gottes Plan - Was ist gut und was ist böse?

Um dies aber zu verstehen, ist es wichtig, trotz aller Betroffenheit und allen Staunens, einen Schritt zurück zu machen und die Zusammenhänge zu betrachten. Wenn Gott einem Despoten Macht zukommen lässt, ist es nicht an uns Menschen, diese Entscheidung infrage zu stellen, denn das wäre gleichbedeutend damit, Gottes Ratschluss infrage zu stellen. So bitter und schwer zu ertragen es uns auch erscheinen mag.

Denn letztendlich ist es Gottes Wille, es genau so kommen zu lassen, wie es kommt und wir Menschen sehen nur einen kleinen Ausschnitt seines Plans. Wir können aus unserer Perspektive nicht bis zur letzten Gewissheit erkennen, was gut oder böse ist (diese Frage kommt uns aus dem Sündenfall im Paradies bekannt vor). Wir wissen nur, dass Gott per Definition gut ist und sich niemals ändert. Wenn wir unsere eigenen Maßstäbe anlegen, mögen uns manche Dinge sogar als böse erscheinen, die von Gott kommen. Aber dann übersehen wir Gottes Definition von “Gut”.

Wenn wir also aus unserer eigenen Sicht heraus entscheiden, ob eine Macht oder ein Herrscher jeweils gut oder böse sind, erfassen wir ganz sicher nur einen Teil der Wahrheit. Denn den tatsächlichen Überblick kann nur Gott haben und er hat diesen Herrscher eingesetzt. Das gilt für Pharao ebenso, wie für Hitler. Paulus teilt uns tatsächlich mit, dass es nicht unsere Aufgabe ist, ja dass es uns sogar untersagt ist, in diese Bestimmung der Hierarchie einzugreifen, denn er hat uns mitgeteilt, dass sie aufgrund seiner Entscheidung so aufgestellt ist, wie sie es ist. Und er bedroht uns sogar mit sehr hoher Strafe: Verdammnis. Das bedeutet, in der Hölle betraft zu werden. Wobei angemerkt sei, dass diese Bestrafung nicht automatisch ewig ist. Sonst wäre von ewiger Verdamnis die Rede und die findet im Feuersee statt, nicht in der vergänglichen Hölle.

Kein Widerstand gegen Despoten erlaubt? Geht’s noch?

Sind also alle, die sich gegen Herrscher erhoben haben im wahrsten Sinne des Wortes zur Hölle gefahren, weil sie die Gott gegebene Ordnung nicht anerkannten? Mit den Worten von Paulus geantwortet: “Gott bewahre.”

Die von Gott bestimmte Besetzung der Hierarchie bleibt ja auch noch dann von ihm bestimmt, wenn er über eine Wechsel bestimmt. Und auch dafür kann man Pharao und Hitler wieder als Beispiel aufführen. Beide sind offenkundig nicht zu einem Ende ihrer Herrschaft gelangt, wie sie es sich selbst ausgemalt oder vorgestellt hatten, sondern wurden gewaltsam aus der Weltgeschichte entfernt (oder, wie im Fall von Hitler, entfernten sich selbst gewaltsam aus derselben). Wie die Inauguration, so ist auch die Veränderung Gottes Wille. Ein Aufstand, eine Naturkatastrophe, eine Erkrankung; all dies kann einem Herrscher oder seiner Herrschaft ein Ende bereiten und dabei spielt es noch nicht einmal eine Rolle, ob diese Einwirkungen auf den jeweiligen Herrscher direkt von Gott kommen, oder Gott z.B. sogar Satan gewähren oder wirken lässt. Wir wissen aus dem Buch Hiob, dass Satan keine absolute Macht auf der Erde besitzt. Satan ist in der Hierarchie unterhalb von Gott und damit auf das beschränkt, was Gott ihm erlaubt zu treiben.

Und genauso kann Gott einen Aufstand oder eine Revolution für einen von ihm gewünschten Wechsel einsetzen oder bestimmen. Er kann sogar bestimmen, dass eine Generation von Menschen heranwächst, die ihre Lebensumstände nicht mehr akzeptieren und gegen bestehende Strukturen aufbegehren.

Sind damit alle Revolten, Revolutionen und Umstürze dann doch wieder in (Gottes) Ordnung? Gott bewahre. Selbstverständlich nicht! Paulus lässt uns in seinem Brief an die Gemeinde in Rom wissen, dass wir nicht aus unserer Selbstherrlichkeit, aus unserer beschränkten Sichtweise auf die Welt heraus in die von Gott bestimmten Strukturen der Macht eingreifen sollen. Es geht vielmehr darum Gottes Willen zu erkennen, zu hören und zu befolgen.

Die christliche Revolte

Die Bibel lehrt uns hinlänglich, dass wir genau hinhören sollen, was Gott uns mitteilt. Der heilige Geist wird uns Christen leiten und anleiten, auch wenn es um die Frage einer Revolte geht, so wie er uns in allen existenziellen Fragen leitet. Wenn wir uns als Christen also in einer Situation, wie z.B. derjenigen im Dritten Reich unter Hitler befinden, werden diejenigen, die vom heiligen Geist zum Aufstand gegen das Regime angehalten werden und auf ihn hören, dieses in Angriff nehmen “dürfen”, ohne der Gefahr der Verdammnis ausgesetzt zu sein. Mit anderen Worten: Man sollte sich schon sehr sicher sein, dass man Gottes Willen folgt, bevor man eine Revolte lostritt oder sich einer solchen anschließt. Genau diese Frage hat sich auch Dietrich Bonhoeffer gestellt, der sich angesichts der Verbrechen des deutschen Regimes im Dritten Reich der Widerstandsbewegung anschloss und sich an Anschlägen auf Hitler beteiligte. Aufgrund seiner aktiven Beteiligung am Widerstand und seines zugleich tiefen Glaubens, ist es sehr wahrscheinlich, dass er zuvor sehr intensiv mit Gott darüber gesprochen hatte.

Aber ist eine gescheiterte Revolte (Bonhoeffer wurde gefasst und hingerichtet) nicht ein Zeichen dafür, dass sie gerade nicht Gottes Willen entsprach und damit die Beteiligten dann doch Verdammnis empfangen? Nicht unbedingt. Denn auch die Revolte selbst, der Versuch der Auflehnung gegen eine verbrecherische Herrschaft kann Gottes Wille sein. Es geht nicht unbedingt nur um das Ergebnis, sondern auch die Vorgänge in der Revolte selbst sind wichtig. Und wir können nur erahnen, wie komplex die Zusammenhänge dort werden können. So kann zum Beispiel die bloße Existenz eines Widerstandes, dem ein tief gläubiger Christ angehört, Menschen zum Glauben führen, die vielleicht zuvor den Glauben ablehnten. Wenn sie das Beispiel eines evangelischen Pastors sehen, kann das sehr große Auswirkungen auf die Gedanken der Menschen haben. Und wenn schon nicht der Erfolg der Revolte das eigentliche Zeil davon war, dann vielleicht “nur” der Effekt auf ganz bestimmte, oder auch auf viele Menschen.

Gottes Wille über allem

Entscheidend ist letztendlich das Motiv. Wer einen Aufstand gegen einen Herrscher anzettelt, weil er meint der bessere Herrscher zu sein, mögen er oder sie selbst bei einem “Erfolg” Verdammnis empfangen. Denn das Gebot, das Paulus uns mit dem Römerbrief in Kapitel 13 übermittelt, ist universell gefasst: “Lasst jede Seele den höheren Mächten unterstellt sein”; da ist keine Einschränkung zu erkennen. Zugleich ist es aber auch wahr, dass die Umsetzung der Veränderung der von Gott gegebenen Hierarchie und ihrer Besetzung hier auf Erden von Menschen vorzunehmen ist. Und alle daran Beteiligten sind wohl beraten, sich Gottes Willens zu versichern, bevor sie sich an diesen Veränderungen selbst beteiligen.

Und ein von Gott eingesetzter Despot ist eben nicht automatisch auch rechtschaffen oder gut. Er ist nichts mehr als folgendes: Von Gott eingesetzt. Zu welchem Zweck und mit welchem Plan auch immer. Und Paulus teilt uns mit, dass dies genau so von Gott gewollt ist. Es ist der Ausdruck von Gottes Willen bezüglich der irdischen Herrschaftsstrukturen.

“Christ Jesus” - Gesalbter Jesus

In der King James Bible von 1611 kommt die Wendung “Christ Jesus” recht häufig vor und ist aus dem Griechischen “Χριστὸν Ἰησοῦν” (christos iēsous) übernommen, wobei Χριστὸν als das substantivierte Adjektiv “Gesalbter” (anointed) übersetzt wird. Luther griff in diesen Fällen zum lateinische Akkusativ “Christum Jesum” (Johannes 1:17) oder abgewandelten Formen und Schlachter übersetzt schlicht “Christus Jesus”.

Aber “Christ” oder die ins Lateinische übertragene Form “Christus” ist kein Namensbestandteil, wie es zum Beispiel ein Familienname wäre, sondern eine Eigenschaft, mit der man den Sohn Gottes identifizierbar macht. “Jesus” hießen zu seiner Zeit viele Leute. Es war ein sehr gebräuchlicher Name und ist es in vielen Ländern auch heute noch. Aber “gesalbt” bzw. “Gesalbter” war und ist nur ein Jesus, nämlich der Sohn Gottes.

Mit der Zeit werden Berufe oder besondere Eigenschaften gerne zu Namensbestandteilen umgeformt (Maier, Müller, Schulze, Gewiefter, Gscheiter usw.) und so passierte dies auch bei den Übersetzungen der Bibel aus dem Griechischen und Lateinischen in andere Sprachen. “Christen” sind eben nicht in dem Sinne die “Gesalbten”, sondern die Anhänger von Jesus Christus. Deshalb sollte die Übersetzung der King James Bible diese Namenstradition nicht über den Haufen werfen und “Jesus Christ” weiterhin mit “Jesus Christus” übersetzen.

Aber den Irrtum von Luther, den “lateinisierten” Namen dann auch noch lateinisch zu konjugieren (im Genitiv “Geburt Jesu Christi”; Matthäus 1:1) geht dann allerdings einige Schritte zu weit. “Christus” ist kein lateinisches Wort, sondern klingt lediglich wie eines (“christos”). Über fälschlich eingeführte lateinische Schreibweisen von Namen in deutschen Bibelübersetzungen wird an anderer Stelle noch gesondert zu sprechen sein.

In der hier erstellten Übersetzung wird der Artikel zugesetzt, um die Konjugation des Namens zu vermeiden:

“redemption that is in Christ Jesus”: “Erlösung, die im Gesalbten Jesus ist” statt wie bei Luther “Erlösung, die durch Jesum Christum geschehen ist”
”the sufferings of Jesus Christ”: “die Leiden des Jesus Christus” statt “die Leiden Jesu Christi”.

Aber im Gegensatz zum über Jahrhunderte eingeführten Namen Jesus Christus, den auch diese Übersetzung erhalten soll und wird, ist mit “Christ Jesus” etwas anderes gemeint, als nur der Name von Jesus Christus. Hier steht die Eigenschaft (gesalbt) dem Vornamen voran.

Warum wird hier im Griechischen unterschieden und in der King James dem gefolgt? Weil die Eigenschaft hier im Vordergrund stehen soll und dies im wahrsten Sinne des Wortes: “der gesalbte Jesus” oder kürzer und mit Großschreibung, dem Englischen Original folgend:

Gesalbter Jesus”.

“Chastening” - Züchtigung oder Erziehung?

Luther hat die Übersetzungstradition des griechischen “παιδεία“ (paideia) auf “Züchtigung” vorgeprägt und viele deutsche Übersetzer folgten dieser Tradition.

Im Griechischen und vor allem im Kontext der Bibel geht es bei diesem Wort, dass die Übersetzer der King James Bible mit “chastening” und “chasten” übersetzten, nur in wenigen Fällen tatsächlich um körperliche, also physische Züchtigung. Denn daran denkt der deutsche Leser automatisch. Es gibt zwar auch psychologische Züchtigung, aber deren Anwendung wird nicht so bezeichnet. Unter Züchtigung verstehen wir im deutschen Sprachraum die Erziehung mittels physischer Gewalt.

Und genau da liegt der Fehler Luthers und seiner Nachfolger. Einerseits wird die Ausübung der göttlichen Gewalt in der Vaterrolle auf das physische Züchtigen seiner Kinder verengt und zugleich wird die breitere Bedeutung des griechischen Textes auf nur ein Thema verengt.

Aber hier geht es um einen Aspekt der Beziehung Gottes zu seinen Kindern: Die Erziehung. Deren Durchführung ist durchaus auch unangenehm und sogar schmerzhaft, aber nicht wegen physischer Gewalteinwirkung Gottes. Gott schlägt seine Kinder nicht mit seiner auf Erden nicht (mehr) vorhandenen Hand, sondern mit Schicksalen oder auch schmerzlichen Erfahrungen.

“Erziehung” passt besser und lässt die Bandbreite an Variationen offen, die der Textus Receptus mit παιδεία aufspannt. Angelehnt daran übersetzen wir “chasten” mit erziehen und das passive “chastened” entweder mit “erzogen” oder im Kontext auch “geläutert”.

Eine schöne Klarstellung bietet da folgendes:

Hebräer 12, Vers 8:

King James Bible 1611: “But if ye be without chastisement, whereof all are partakers, then are ye bastards, and not sonnes.

Übersetzt: “Aber wenn ihr ohne Erziehung seid, wovon alle Teilhaber sind, dann seid ihr Bastarde und nicht Söhne.

Warum sollten wir nur dann Söhne sein, wenn wir geschlagen werden? Der Bastard von nebenan kann vom Vater durchaus gezüchtigt, also geschlagen werden, aber erzogen werden von ihm nur seine eigenen Kinder. Denn Ziel der Erziehung ist Wohlverhalten nach der Maßgabe der Eltern. Das Züchtigen eines rüpelhaften Kindes außerhalb der Familie ist hingegen keine Erziehung, sondern eine Maßregelung, damit der Gezüchtigte sich den Regeln der Gesellschaft gemäß verhält. Die persönliche Zielvorstellung des Züchtigenden ist dabei nicht im Vordergrund (wenn es doch so wäre, würde man von einem Missbrauch oder einem Übergriff sprechen).

Das Komma-Johanneum - Beweis aus dem Bibeltext selbst

Wenn man sich als Übersetzer Wort für Wort und Vers für Vers durch die Bibel arbeitet, stolpert man manchmal genau über die Dinge, die gerade solche überlesen, die sich in der Bibel vermeintlich gut auskennen. Unser Gehirn neigt dazu, uns Abkürzungen aufzudrängen, um Arbeit zu sparen. Wir erkennen diese Funktionsweise des Gehirns an an optischen Täuschungen sehr gut.

Aber diese Funktionsweise des Gehirns hat auch auf das Verständnis von Texten direkte Auswirkung. Wir lesen etwas und sortieren es als bekannt oder unkritisch ein und machen uns einfach keine Gedanken darüber. Wir sind uns nicht dessen bewusst, dass wir gerade an einer wichtigen Information einfach vorbei gelesen haben.

Das strittige Komma-Johanneum, liest sich in der deutschen Übersetzung der King James Bible von 1611 wie folgt:

  1. Johannes 5:7

“Denn da sind drei, die Bericht im Himmel geben, der Vater, das Wort und der heilige Geist: Und diese drei sind eins.“

Der Beweis dafür, dass dieser Vers genau dorthin gehört findet sich in unmittelbarer Nähe davon:

  1. Johannes 5:10

”Derjenige, der an den Sohn Gottes glaubt, hat das Zeugnis in sich selbst: Derjenige, der Gott nicht glaubt, hat ihn zum Lügner gemacht, denn er glaubt nicht dem Bericht, den Gott von seinem Sohn gab.

  1. Johannes 5:11

”Und dies ist der Bericht, dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat und dieses Leben ist in seinem Sohn.”

In diesen drei Versen ist vom “Bericht” die Rede. Und gemeint ist in allen drei Versen der Bericht, der im Himmel gegeben wird. Da wird nicht unterschieden.

Wohingegen

  1. Johannes 5:8

”Und es sind drei, die Zeugnis auf Erden geben, der Geist und das Wasser und das Blut, und diese drei sind in einem einig.”

von einem Zeugnis spricht, nicht von einem Bericht.

Ohne den Inhalt von Vers 7 ergeben die Verse 10 und 11 überhaupt keinen Sinn. Vers 7 zeigt uns aber, welcher “Bericht” gemeint ist: [jüngstes Gericht]

Ein wichtiges Indiz für die gezielte Entscheidung der Übersetzer, zwischen Bericht und Zeugnis zu unterscheiden findet sich in der Bishop’s Bible, deren Druckausgabe von den King James Übersetzern als Arbeitsmittel genutzt wurde. In 1. Johannes finden sich zwar keine Notizen des Übersetzer-Teams (einige Notizen sind leider nicht erhalten geblieben), aber der Text in der Bishop’s Bible übersetzt in 5:7 und 5:8 jeweils gleichlautend mit “record”:

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Dieser Lesart haben sich die King James Übersetzer offenkundig nicht angeschlossen. Und der Grund ist, wie oben beschrieben, nachvollziehbar, denn sie wollten die unterschiedlichen Bezüge im Folgetext aufdecken. Eine ganz hervorragende Leistung der Übersetzer der King James Bible von 1611.

Zum Komma-Johanneum sei außerdem noch angemerkt, dass die angeblich “später” erfolgte Hinzufügung im griechischen Text des Erasmus von Rotterdam, der später unter der Bezeichnung Textus Receptus verwendet wurde, nicht erst in seiner zweiten Auflage von 1520 erfolgte, sondern auch schon in der deutsche Tepl-Bibel aus der Zeit um 1350 als handschriftliche Einfügung zu finden ist.

Um die Relevanz dieser späteren Hinzufügung zur Tepl-Bibel zu verstehen, muss man wissen, dass es sich beim Codex Teplensis mitnichten um eine Übersetzung der lateinischen Vulgata ins Deutsche handelt, sondern um eine Übersetzung aus der gleichen Texttradition, aus der auch der Textus Receptus hervorgegangen ist. Das wurde offenbar wegen der Provenienz der Tepl-Bibel nicht näher hinterfragt; eventuell nicht einmal von denen, die sie später in Frakturschrift übertrugen und dabei das Komma-Johanneum “einfach” in den Haupttext übernahmen, ohne zu erwähnen, dass es sich um eine nachträgliche Ergänzung zur Handschrift handelte.