Vorwort der deutschen Erstausgabe

Vorwort der deutschen Erstausgabe

Vorwort

von

Robert Kuhlmann

 

In Deutschland beschäftigen sich nur Enthusiasten mit der King James Bible von 1611 (kurz: KJV - für King James Version) ernsthaft. Uns wurde in der Schule Shakespeare aufgetischt und der deutsche Durchschnittsschüler war froh, danach nie wieder etwas damit zu tun haben zu müssen. Wer wird nach einer negativen Erfahrung mit dem Englisch des 17. Jahrhunderts freiwillig eine englische Bibel aus genau dieser Zeit zur Hand nehmen, wo es doch deutsche Alternativen gibt?

Vorrangiges Ziel der Übersetzungsarbeit war die getreue Übertragung des Originaltextes in die deutsche Sprache. Dies bedingte selbstverständlich viele Übersetzungsentscheidungen im Detail, die wir weitestgehend unabhängig von der deutschen Bibeltradition getroffen haben, um den Ton und Sinn des Originals zu erhalten. Einzige Ausnahme bilden hier die Namen von Personen und Orten. Zugunsten der besseren Lesbarkeit im Deutschen haben wir auf die Beibehaltung der englischen Schreibweisen verzichtet - wenn auch schweren Herzens.

So versperrte uns Deutschsprachigen diese Barriere den Zugang zu der mit dem größten jemals getriebenem Aufwand erstellten Übersetzung der hebräischen, aramäischen und griechischen Bibelhandschriften. Folgerichtig findet im deutschsprachigen Raum so gut wie keine Auseinandersetzung mit der King James Bible statt. Jetzt liegt das Neue Testament der King James Bible von 1611 in deutscher Übersetzung vor und der Diskurs kann beginnen. Doch zuvor möchte ich ausdrücklichen und tief empfundenen Dank an jene aussprechen, die durch ihre Mithilfe über viele Jahre, das nun vorliegende Ergebnis ermöglicht haben.

 

Danksagungen

 

Meiner Ehefrau Cleopatra Sibanda-Kuhlmann, ebenso wie ich Geschäftsführende Gesellschafterin der Word of God International gUG (haftungsbeschränkt), gebührt zweifelsohne der größte Dank. Nicht nur die unermüdliche Vorbereitung der Projektseiten über mehrere Jahre hinweg, sondern darüber hinaus das höchst persönliche Engagement in der Übersetzungsarbeit, die geistige und auch geistliche Unterstützung und nicht zuletzt die dem Projekt und auch mir entgegengebrachte Liebe und ihre biblische Geduld und Langmut haben dieses Vorhaben überhaupt erst möglich gemacht. Wie wäre dieses Zwischenziel der Fertigstellung des Neuen Testaments jemals erreichbar gewesen, wenn ich nicht eine solch vorbildliche und liebevolle Ehefrau an meiner Seite hätte? Wir haben in den letzten Jahren viele Widerstände überwinden müssen, taten das aber immer gemeinsam. Als unverwüstliche Einheit haben wir alles Böse überwunden, das uns immer wieder den Weg versperren wollte. Wir wurden immer stärker und immer mehr gewiss: Dieser Widerstand von böser Seite bedeutet, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Denn zugleich erhielten wir Offenbarungen, Zeugnisse und Unterstützung in herrlicher und göttlicher Weise. Alles deutet auf dieses Ziel; nicht zuletzt ganz eindeutige Fingerzeige des Heiligen Geistes selbst.

 

Eine weitere herausgehobene Erwähnung hat Janik Neuland verdient. Unser Projekt hat von seiner überragenden Intelligenz, seinem Fleiß und seiner Offenheit enorm profitiert. Seinen unersetzlichen Beitrag zur Qualität des Ergebnisses muss ich hier besonders hervorheben. Mit ihm über die Details zu diskutieren und gemeinsam die beste Lösung zu finden war und ist immer wieder eine Freude. Unser gegenseitiges Vertrauen und die uns beiden gemeinsame, strikte Zielorientierung haben uns beide im Übersetzungsprozess bereichert und ebenso uns beide zu neuen Erkenntnissen und besten Ergebnissen geführt. Es ist so angenehm und freudig zu erfahren, dass es solche Menschen wie Janik gibt und es ist uns eine Freude und Ehre ihn als Mitwirkenden in diesem Projekt zu haben. Deshalb gebührt dir auch besonderer Dank an dieser Stelle.

 

Auch Ivonne Brandt, unsere erste Korrekturleserin muss hier erwähnt werden. Als Unterstützerin seit der ersten Stunde hat sie uns gezeigt, dass wir mit dieser Mammutaufgabe nicht alleine zurechtkommen müssen und hat viel Liebe, Zeit und Arbeit investiert. Das war gerade zu Beginn sehr hilfreich, denn ohne Unterstützer fühlt es sich schon recht einsam an, solch ein Projekt überhaupt anzugehen. Ivonne nimmt damit einen besonderen Platz im Projekt ein und wir danken ihr hier ebenfalls ganz herzlich.

 

Und auch die finanziellen Unterstützer seien hier gesondert erwähnt. Die Übersetzung der King James Bible von 1611 ins Deutsche ist (bisher?) kein Thema, das die Massen bewegt. Und ganz sicher nicht etwas zur Sicherung des eigenen Lebensunterhalts. Aber wir haben Unterstützer gefunden, die uns die Bürde ganz erheblich erleichtert haben. Die Aufrechterhaltung des Confluence-Cloud Bereichs, indem auch die Projektarbeit stattfindet, ist der größte Kostenfaktor bisher und wir sind unseren Spendern für ihre finanzielle Unterstützung sehr dankbar. Ihr habt uns stets über Wasser gehalten und uns die Aufrechterhaltung des Projekts so viel leichter gemacht. Bitte begleitet uns mit eurer Großzügigkeit auch während der Übersetzung des Alten Testaments weiter, damit auch dieser Teil ein ebenso großer Erfolg wird.

Die Leistung der KJV-Übersetzer

Die Leistung der anfänglich 54, später 47 Übersetzer der KJV ist schon aufgrund der verfügbaren Ressourcen an Arbeitszeit beeindruckend. Hinzu kommt ihr Bildungs- und Erfahrungshintergrund, der aufgrund der damaligen Gegebenheiten ein ganz anderes Verständnis und einen anderen Zugang zu den hebräischen und griechischen Handschriften erlaubte. Sie wuchsen in katholisch geprägtem Umfeld auf. Umso bedeutender ist ihre Loslösung von diesem Bildungs- und Erziehungshintergrund in der Arbeit an der neuen Übersetzung. Der wortgetreuen Übersetzung der biblischen Quelltexte. So wortgetreu, dass sie größtenteils interlinear mit den hebräischen und griechischen Quelltexten gelesen werden kann.

 

Am Beginn dieses Projekts stand die Verwunderung darüber, dass es nicht bereits von jemandem umgesetzt worden war. Es gibt viele Übersetzungen der KJV in andere Sprachen - nur keine ins Deutsche. Mit bereits anfänglichem großen und im Verlauf weiter wachsenden Respekt begegneten wir diesem einmaligen Werk. Erkannten die angenehme und zugleich präzise Sprache der KJV und scheuten keine Mühen, diese in die deutsche Übersetzung zu übertragen. Keine Abkürzungen, keine Ausflüchte. Die im Projekt dokumentierten Diskussionen um die richtigen Wörter und Formulierungen zeigen die Ernsthaftigkeit in dieser Vorgehensweise und machen unsere Entscheidungen nachvollziehbar. Zugleich sind sie nicht abschließend. Sie erheben nicht den Anspruch die einzig mögliche oder einzig wahre Sichtweise zu zeigen. Wir sind nur Menschen und machen auch Fehler. Aber jemand musste ja einen Anfang machen.

Die KJV erklärt sich selbst

Wir haben, wo möglich, die KJV selbst als Hinweisgeber für die korrekte Übersetzung verwendet. Denn die Bibel erklärt sich selbst - zumindest in der Ausgabe der KJV. Übersetzungsentscheidungen müssen die wichtigste Prüfung überstehen: Die Bibel selbst. Führt eine Entscheidung an der einen Stelle zu einer Unverständlichkeit oder Merkwürdigkeit an anderer Stelle, ist die gewählte Übersetzung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht optimal. Ich empfehle dazu die Lektüre der Diskussion zur Übersetzung des Wortes "righteous(ness)", deren abschließendes Ergebnis (rechtschaffen(heit)) ausschließlich aufgrund von Bibelstellen der KJV hergeleitet werden konnte. Dieses Beispiel zeigt die Verbundenheit dieser Übersetzung mit dem Original sehr gut. Denn in allen deutschen Bibeln liest man "Gerechtigkeit" oder "gerecht". Aber in der KJV sind "righteous(ness)" und "just(ice)" zwei verschiedene Dinge und ihr Unterschied ist in der KJV selbst sehr gut dokumentiert.

Die Entscheidung der Übersetzer von 1611 ist dabei die Basis, denn wir erstellen eine Übersetzung der KJV, keine verbesserte Bibelübersetzung. Eine Diskussion über die Qualität der KJV als Übersetzung aus dem Hebräischen und Griechischen ist ja genau das, worin wir deutschsprachige Interessierte eintreten lassen wollen. Wenn die 47 sich auch nach Hinzuziehung von weiteren Fachleuten nicht abschließend entscheiden konnten, welche der Übersetzungen die einzig richtige sei, haben sie eine Seitennotiz eingefügt, welche eine oder mehrere Alternativen zu derjenigen im Fließtext notiert. Ohne diese Seitennotizen würden deshalb wichtige Informationen fehlen, welche die damaligen Übersetzer dem Leser mitgeben wollten und für die sie viel Aufwand betrieben haben. Das Setzen der Seitennotizen in dieser Ausgabe war für sich genommen schon ein sehr großer Aufwand. Aber er war absolut notwendig, wenn unsere Arbeit ihren Zweck erfüllen soll. Wir werden sie deshalb in allen unseren Veröffentlichungen einschließen. Einzige Ausnahme ist die Audio-Publikation, denn das Mitlesen der Seitennotizen würde den wunderbaren Sprachfluss der KJV sehr stark stören.

Danksagung and den König und KJV-Vorwort

Die Danksagung an den König und das Vorwort "Die Übersetzer an den Leser" sind ebenfalls wichtig für diese Veröffentlichung. Sie sind zwar nicht Bestandteil des Kanons, aber geben dem Leser wichtige Hinweise über die Intention und das Selbstverständnis der damaligen Übersetzer. Die Übersetzung des Vorworts war für sich genommen bereits ein eigenes Projekt. Denn im Gegensatz zum Bibeltext, der sich strikt an den Vorlagen ausrichtete, konnten die Übersetzer hier ihre Bildung und ihre Fähigkeiten zum Ausdruck bringen. Das Vorwort ermöglicht dadurch zweierlei: Wir lernen den gewaltigen Sprachumfang kennen, mit dem zu jener Zeit kommuniziert wurde und wir erfahren aus erster Hand eine Menge über die Umstände und den Prozess der Erstellung der KJV, sowie die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, unter denen die 47 arbeiteten. Der große Textblock des Vorworts ist schon optisch ein schwerer Brocken. Das ändert sich durch seine Übersetzung ins Deutsche nicht. Aber ich rate zur Lektüre dieses Zeitzeugnisses, denn es ist wichtig, die Motivation derjenigen zu kennen, die dem Leser ein so wichtiges Werk vorlegen.

Kritik am Vorhaben

Kritiker unseres Projekts äußerten, dass man heutzutage ja über viel bessere Quellen verfügen würde, als sie den damaligen Übersetzern zugänglich gewesen wären und die KJV somit als veraltet keine Aufmerksamkeit mehr wert sei. Wer genau hinschaut, sieht den gewaltigen Haken an dieser Argumentation, denn die Quellen, aus denen damals konkret übersetzt wurde, sind leider nicht vollständig dokumentiert. Woher soll also die Erkenntnis kommen, später (wieder-)entdeckte Manuskripte hätten zu einem anderen Ergebnis als der KJV geführt? Was macht Manuskripte, die dann auch noch von der absoluten Mehrheit der überlieferten Kopien abweichen oder die erst Jahrhunderte später aus ganz verschiedenen Funden und bearbeitet zu einem Neuen Testament zusammengebastelt wurden, das es in der Form zuvor gar nicht gab, zu besseren Quellen als jene, die den 47 vermutlich vorlagen? Die King James Bible von 1611 auf diese Weise infrage zu stellen ist ihrer nicht würdig. Die damaligen Übersetzer haben wohlüberlegt und ganz bewusst auf der Basis des Textus Receptus des von Erasmus von Rotterdam übersetzt. Wir wissen aber nicht, ob auf der Urschrift von 1516 oder nach der revidierten Version von 1522. Es ist also unbekannt, ob sie bewusst ebenso entschieden haben, wie Erasmus in der Revision, das Kommajohanneum aufzunehmen, oder ob sie "einfach" den revidierten Texteus Receptus von 1522 zur Hand nahmen. Kritik ist wichtig bei einem solch fundamentalen Werk und auch die Übersetzer von 1611 sahen sich einer solchen massiv ausgesetzt, aber sie muss fundiert und mit Belegen untermauert sein. Vermutungen und Behauptungen genügen nicht für eine qualifizierte Diskussion.

 

Viele Argumente gegen die KJV werden im englischsprachigen Raum seit langem diskutiert und folgerichtig gibt es viel englische Literatur zu dem Thema. Diese lässt sich heutzutage durch Übersetzungsprogramme leichter zugänglich machen; im Gegensatz zur King James Bible von 1611, an der sich selbst die besten Übersetzungsprogramme die Zähne ausbeißen. Namen wie Ripplinger und Ruckman klingen den KJV-Kritikern wie Donnerhall in den Ohren und allein ihre Erwähnung kann zu emotionalen Reaktionen in Diskussionsrunden führen. Aber trotz teils harscher Sprache sind ihre Argumente zur Stützung der KJV nicht leicht von der Hand zu weisen. Sie könnten nur durch qualifizierten Gegenbeweis entkräftet werden. Bisher ist eher die Vermeidung des Diskurses zu beobachten.

Der Wohlklang der King James Bibel

Zu guter Letzt möchte ich auch dem Bibeltext der KJV die Ehre geben. Die Übersetzung von 1611 ist derart gut gelungen, dass sich die unterschiedlichen Autoren der verschiedenen Bücher deutlich identifizieren lassen. Ein Effekt, den ich in keiner anderen deutschen oder englischen Bibelübersetzung so deutlich wahrgenommen habe. Sogar Charakterzüge der Autoren scheinen erkennbar. Die Evangelien sind nicht nur Betrachtungen ähnlicher Abschnitte der biblischen Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln, sondern lassen die Apostel auf ihre jeweils ganz eigene Art zu uns sprechen. Ein Effekt, den ich schon bei der Übersetzung des Buches Genesis beobachtet habe, dessen Abschnitte im Ursprung ganz offensichtlich von verschiedenen Autoren stammen, wenn auch vom selben Moses überliefert. Die Entdeckung der Bibel auf diese Weise ist eine wunderbare Erfahrung. Und ich hoffe, wir können diese Erfahrung mit unserer Übersetzung einer größeren Leserschaft eröffnen.

Ich möchte mit dem Schlusswort des Vorworts "Die Übersetzer an den Leser" enden:

Der Herr bewirke Fürsorge und Gewissenhaftigkeit in uns, damit wir ihn kennen und ihm dienen, dass wir von ihm erkannt werden zum Erscheinen unseres Herrn Jesus Christus, dem mit dem Heiligen Geist aller Lobpreis und Dank sei.  Amen.

Lissabon, 20.06.2025

 

 

Legende

Im Bibeltext sind verschiedene Markierungen und Schreibweisen zu finden, die folgende Bedeutungen haben:

* (hochgesetzter Stern): Zu dieser Stelle gibt es eine Seitennotiz/Fußnote (im E-Book) mit einem oder mehreren Querverweisen
+ (hochgesetztes Pluszeichen): In einer Seitennotiz/Fußnote findet sich die direkte Übersetzung aus dem Griechischen
|| (zwei parallele Linien): In einer Seitennotiz/Fußnote befindet sich eine alternative, gleichberechtigte Übersetzung
# (hochgesetzte Raute): In einer Seitennotiz/Fußnote befindet sich eine Anmerkung zur deutschen Übersetzung
kursiver Text: Diese Worte befinden sich nicht in den übersetzten hebräischen oder griechischen Manuskripten

roter Text: Die direkte Rede von Jesus ist in roter Schrift gesetzt